1. Was hat euch damals motiviert und darin bestärkt, Pilotinnen zu werden?

Alina: Ich wurde damals von meinen Vater und meinem Großvater inspiriert – peu à peu hat sich dann auch bei mir auch das Verlangen etabliert, selber Flugzeuge zu fliegen. Mein Großvater hat mir schon ganz früh mit auf den Weg gegeben, dass ich alles werden kann, was ich nur möchte. Für mich gab es da also nie eine Trennung zwischen reinen Männer- und Frauenberufen. Ich hoffe, dass viele Frauen genau wie ich auf diese Weise darin bestärkt werden, den Beruf der Pilotin zu ergreifen.

Kirsten: Bei mir war das ganz ähnlich: Mein Vater ist selbst Privatpilot mit großer Begeisterung. Er hat mich und meinen großen Bruder als ich 13 war gefragt, ob wir einen Segelfluglehrgang absolvieren wollen – eigentlich wollte ich doch ein Pony haben! Dieser Lehrgang hat mir dann letztendlich so viel Spaß gemacht, dass ich bis heute – nach mittlerweile 22 Jahren – mit viel Leidenschaft der Fliegerei treu geblieben bin. Eine schöne Bestätigung, dass ich damals die richtige Wahl getroffen habe.

2. Nachts oder extrem früh morgens fliegen, viel Verantwortung, Jetlag: Wie entspannt Ihr neben dem fordernden Job?

Alina: Pilotin zu sein ist ein fordernder Beruf und, das stimmt, ab und zu ist es eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen. Bei mir läuft das aber sehr gut: Mein Partner ist auch Pilot und kann meinen Tagesablauf deswegen sehr gut nachvollziehen. Meine Familie und meine Freunde sind ein super Rückgrat und haben viel Verständnis für meinen Job – auch dafür, dass ich mal bei einem Geburtstag nicht dabei sein kann, wenn ich gerade nach Mailand fliegen muss.

Kirsten: Unser Job ist natürlich sehr fordernd, aber ich genieße zu Hause komplette Rückendeckung: Ich habe drei Kinder,mein Mann war noch bis vor Kurzem Hausmann. So hat er es mir überhaupt ermöglicht, hier zu sitzen. Freunde und viel Sport sind außerdem ein guter Ausgleich für mich, um neben der Fliegerei entspannen zu können. Unser Berufsleben bei Eurowings ist sehr strukturiert. Viel Disziplin hilft, oft gehe ich mit meinen fünfjährigen Kind ins Bett – besonders wenn ich Frühschicht habe.

3. Hattet ihr je das Gefühl, es als Frau in einem männlich geprägten Berufsumfeld schwerer zu haben?

Kirsten: Nein, ich habe es nie erlebt, dass es als Frau im Cockpit schwieriger ist. Ab und an bekommen wir mit, dass Passagiere verwundert schauen, wenn sie vorne ins Cockpit schauen und dort zwei Frauen sitzen. Unter Kollegen spielt das dagegen überhaupt keine Rolle. Wir werden hier in der Fliegerei komplett gleich behandelt, was unter anderem auch daran liegt, dass wir exakt dasselbe Gehalte wie unsere Kollegen bekommen. In der der freien Wirtschaft ist das ja leider auch 2018 nicht immer der Fall.

Alina: Absolut, das kann ich genauso bestätigen. Die gleiche Bezahlung und auch das strukturierte Arbeiten im Cockpit hilft uns an dieser Stelle sehr– bei uns im Cockpit herrscht komplette Gleichberechtigung. Schwerer haben es Frauen im Cockpit heutzutage definitiv nicht – zum Glück ist es mittlerweile völlig egal, ob nun ein Mann oder eine Frau den Flieger sicher landet.

4. Welche Tipps gebt ihr jungen Frauen mit auf den Weg, die sich für eine Karriere im Cockpit interessieren?

Kirsten: Wenn mich Kolleginnen aus der Kabine oder auch Freundinnen ansprechen, bestärke ich sie in ihrem Vorhaben, Pilotin zu werden und mache ihnen Mut – das können sie in jedem Fall sehr gut schaffen. Ich empfehle ihnen, sich ohne Vorbehalte zu bewerben und sich intensiv auf die Einstellungstests vorzubereiten, dann kann eigentlich kaum noch was schief gehen.

Alina: Der Wille, am Ende einen Flieger selbstständig landen zu können, motiviert einen ungemein – da bleibt man am Ball. Auch wenn die Ausbildung und der weitere Werdegang ab und zu steinig sind. Mädels, traut und bewerbt euch, es lohnt sich!