Die letzten Tage vor den großen Ferien sind gezählt, die eine oder andere Familie sitzt bereits startklar auf gepackten Urlaubskoffern: Diesen Freitag, den 13.07., ist es dann auch für Schüler und Schülerinnen in NRW soweit und es heißt endlich: „School’s out!“ Mit Beginn der Sommerferien im größten deutschen Bundesland stellen sich auch unsere Flight Crews auf die turbulente Urlaubszeit und das erhöhte Flugaufkommen ein. Christina Kuboth, Flugbegleiterin bei Eurowings, und Stefan Pützstück, A320-Kapitän bei Germanwings, haben uns vergangenen Freitag erzählt, wie sie persönlich den Ferientrubel auf Strecke erleben. Außerdem haben sie spannende Details aus ihrer fliegerischen Karriere mit uns geteilt.

 

Stefan, warum bist du damals Pilot geworden? Wie lange fliegst du schon und was reizt dich besonders an deiner Karriere im Cockpit?

Ich bin seit rund 13 Jahren Pilot im Lufthansa Konzern und von Anfang an mit großer Leidenschaft dabei. Gestartet habe ich meine fliegerische Laufbahn bereits mit 14 im Segelflugzeugverein und bin seitdem fasziniert vom Fliegen – privat wie beruflich. Ich habe damals als junger First Officer bei Lufthansa in Frankfurt begonnen und bin nun seit viereinhalb Jahren als Kapitän bei Germanwings in Köln tätig, ganz in der Nähe meines Heimatorts. Mein fliegerisches Highlight, was ich gerade vorgestern wieder erleben durfte: der Anflug auf die griechischen Inseln – der wahnsinnig schöne Blick auf Korfu. Gerade kürzlich habe ich dort auch privat meinen Urlaub verbracht und kann daher die aktuell sehr gut gebuchten Flieger in diese schöne Ferienregion nachvollziehen ;-)

 

Christina, was hat dich damals dazu bewogen, Flugbegleiterin zu werden? Wie lange bist du schon auf Strecke unterwegs und was liebst du besonders an deinem Beruf?

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Ich feiere bald mein zehnjähriges Dienstjubiläum als Flugbegleiterin und bin damit ja fast schon ein alter Hase innerhalb unserer sehr jungen Crews bei Eurowings. Ich habe mich damals nach meiner abgeschlossenen Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau bewusst dazu entschieden, Gäste nicht immer nur passiv über das Reisebüro in den Urlaub zu schicken. Der Wunsch ist in mir gereift, sie viel lieber aktiv im Flieger auf ihrem Weg in den Urlaub oder woandershin zu begleiten und deswegen habe ich mich als Flugbegleiterin beworben – und dies keinen Tag bereut. Was mich am Fliegen in der Kabine nach wie vor besonders fasziniert, ist der direkte Kontakt zu unseren Gästen. Speziell wenn wir unsere Passagiere, wie jetzt über die Sommerferien, zu beliebten Urlaubs-Spots wie Mallorca, Sardinien oder Lissabon bringen, genieße ich es, mich mit ihnen an Bord auszutauschen und ihnen z.B. weitere Informationen zu ihrer Zieldestination zu geben – sie freuen sich immer und das ist einfach schön mitzuerleben.

 

Diese Woche Freitag starten in NRW die Sommerferien – alle Leute wollen jetzt in die Sonne fliegen. Wie erlebst du als Flugkapitän den Trubel, Stefan?

Wie erlebst du das in der Kabine, Christina? Stichwort Verspätungen: Was bekommt ihr persönlich von dem Stress der Passagiere mit und wie reagiert ihr darauf?

 

Klar, der Ferienstart bedeutet automatisch auch lange Schlangen an unseren Check-in Schaltern, unsere Flieger sind oft komplett ausgebucht. Nicht zuletzt bringen die Fluggäste natürlich ganz viel Vorfreude auf ihren heiß ersehnten Urlaub auf Mallorca und Co. mit – das kriegen wir als Crews an Bord natürlich auch mit. Die Leute zu ihrer Wunschdestination fliegen zu dürfen – speziell über die Sommermonate in Richtung Urlaub – ist eine sehr emotionale Dienstleistung und das genieße ich an meinem Beruf. Ich persönlich kann es sehr gut nachvollziehen, wenn unsere Gäste bei Verspätungen teils verärgert reagieren. Das ist ja nur menschlich, jede Minute des Urlaubs ist einem heilig, das geht mir ja auch so. Ab und zu erleben wir, dass unsere Gäste am Gate erst recht spät über die geänderte Abflugzeit informiert werden und dementsprechend teilweise etwas schlecht gelaunt bei uns an Bord kommen. Ich versuche, unsere Gäste durch transparente Kommunikation, wie z.B. ausführliche und ansprechende Bordansagen während des Reisefluges, wieder aufzuheitern. Gemeinsam mit unseren charmanten Kabinencrews klappt das dann meist auch ganz gut.

Stefan Pützstück
A320-Kapitän bei Germanwings
Christina Kuboth
Flugbegleiterin bei Eurowings

Absolut, da hast du recht, Stefan. Gerade als Flugbegleiterin bekomme ich den Ärger der Passagiere ja oft mehr oder weniger ungefiltert mit, sollte eine unserer Maschinen mal Verspätung haben. Besonders über die Sommerferien ist das in Einzelfällen ärgerlich, jeder möchte natürlich möglichst pünktlich am jeweiligen Ankunftsort ankommen. Allerdings habe ich im Laufe meiner bisherigen zehn Berufsjahre immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich die Laune unserer Gäste sehr schnell wieder aufhellt, wenn man mit ihnen kommuniziert und ggf. nochmal an Bord auf die Gründe der Verspätung eingeht. Mich interessieren dabei auch die einzelnen Geschichten unserer Passagiere: Mir macht es Spaß, zu erfahren, wo die Reise bei ihnen hingeht, welche Aktivitäten sie vor Ort planen usw. – das ist doch das Schöne am Fliegen! Und in den meisten Fällen steigen unsere Gäste dann wieder mit einem Lächeln aus – also kann es aus meiner Sicht mit den Sommerferien los gehen